Donnerstag, 23. Mai 2013

Frau Zwölfelf schlägt über die Stränge

Heute morgen hat die Fr. Zwölfelf die Kinder mit dem Kindsvater in Richtung Legoland verabschiedet. Dann hat sie sich hingesetzt zu ihrem kalten Kaffee und ihrem angebissenen Toast. Dann ist sie aufgesprungen und hat zwiefach Schal und Mütze aus dem Fenster nachgeworfen, weiter südlich soll es ja schneien. Dann hat sie kurz aufkeimenden Unmut veratmet und überlegt, was sie nun heute, morgen und übermorgen mit ihrer vielen freien Zeit anstellt. Welche Möglichkeiten sich da eröffnen. Das Thema war ungewohnt und das Nachdenken anstrengend, so ist sie erst einmal in geordnete Bahnen geflohen, d.h. zur Arbeit. Aber dann!

  • sehr früh Schluss gemacht, niemandem Bescheid gesagt
  • Menü im Thai-Imbiss
  • Hundeauslauf im Nieselregen, ausgiebig
  • Nähmaschinen gegoogelt am hellichten Tag
  • Badewanne ab 18.00 Uhr, mit Kuchen.
  • dort intensives Katalogstudium und innerer Disput: Kaufen! - Nähen? - Kaufen? - Nähen!)
  • kein Abendbrot! zur festgesetzten Stunde
  • 1 Tasse Lillifee-Tee Himbeer-Erdbeer einfach so
  • Bloggen statt Abwasch

Was soll ich sagen. Kaum lässt man sie allein, geht das hier los mit Anarchie und Chaos. Und jetzt auch noch: Bettruhe vor Mitternacht. Wo soll denn das hinführen?

Donnerstag, 2. Mai 2013

Seit Schulbeginn...

... kann dem Herrn Übermut leider nichts Selbstgenähtes mehr zugemutet werden. Die Macht der peergroup. So schnell kann's gehen. Warum nur habe ich nicht viel früher viel mehr für meinen Sohn genäht, als dieser noch ein willenloses Baby war und keine Widerworte gab?
Nun, manchmal überrascht einen das Leben dann doch wieder. Dieser nette Jersey mit Tomatensuppe in Dosen wird akzeptiert! Was sage ich, geliebt!
Um den letzten Rest in Rot mussten wir uns im Winter fast prügeln. Mein Loop! Nein, meiner!
Wer kennt den Stoff? Wo gibt es den noch? Her damit!
 

Hemd-Schnitt aus der legendären vergriffenen Ottobre 4/2004.
Die mit den Wäscheschnitten, der Kochmütze und der Schürze.


Den habe ich bei Gerda noch vor Zeiten kopiert in Gr. 104, bevor auch ihr Exemplar verschwunden ist. Und dann notgedrungen immer weiter genäht, mit Anpassungen. Nun habe ich endlich ein EIGENES finnisches Original ergattert und freue mich auf
... die Kochmütze!

Sonntag, 28. April 2013

Schätze

Als ich vor langer Zeit aus dem elterlichen Heim auszog, hatte ich einen Koffer mit ein paar Sachen dabei: ein paar Kleider, eine kleine Kochplatte, ein Brotmesser, zwei Teller und Tassen, Bücher und Stricknadeln. Was man eben braucht am Anfang. Nicht so viel. Inzwischen bin ich, ich habe nachgerechnet, noch zwölf Mal umgezogen. In dreiundzwanzig Jahren. Heute habe ich vieles, was ich nicht so dringend brauche, aber gerne bei mir habe. Beim letzten Umzug musste das alles in 270 großen Umzugskisten auf zwei großen Lastwagen befördert werden. Tja.
Ich möchte eigentlich nie wieder umziehen. Besitz belastet. Ich bewundere radikale Minimalisten wie Die Ordnungshüterin. Auch ich möchte mich von Ballast befreien. Luft haben. Aber so einfach geht das nicht, genetisch bedingt.

 
Ich stamme aus einer Familie, in der aus Prinzip nichts weggeschmissen wurde. Meine Vorfahren hatten Not erlebt und wenig Geld. Dafür verfügten sie über sehr viel Platz für alles, was sie aufheben wollten. Dachböden, Keller, Verschläge, Nebengebäude. Wurde es doch einmal eng, baute man eben an. Ein kleiner Schuppen, ein seitlicher Anbau, eine Erweiterung nach hinten zu - immer ging da noch was. Das alles war sehr weise und hatte seinen guten Sinn. Die gesamte Zeit der DDR-Mangelwirtschaft hindurch wurde in dieser Familie von Vorkriegsware gezehrt; man konnte alles noch gebrauchen und brauchte alles auf: Nägel, Werkzeuge, Stoffe, Geschirr, und Möbel hob man für die nächste Generation auf. Kleidung wurde repariert und umgeändert, und ganz am Ende noch als Putzlappen verwendet. Zuvor trennte man natürlich alles ab, was man wiederverwenden konnte: Knöpfe, Ösen, Schnallen und Haken.

 
Ich habe diese Prägung. Ich kann nichts wegschmeißen. Ich habe aber nicht so viel Platz. Das ist ein Dilemma. Das bringt mich manchmal in Bedrängnis. Da habe ich mir schon die Haare gerauft und geflucht und Besserung gelobt: Weg mit dem ganzen Krempel. Zum Glück vergesse ich in der Regel solche Pläne umgehend. In Beziehung Inkonsequenz ist auf michVerlass. Zum Glück, muss man sagen.


Diese Schatzkisten meiner Kindheit haben alle Umzüge mitgemacht und alle Entrümpelungsanfälle überlebt. Über 50 Jahre familiäres Sammlertum gerettet, gehegt und gepflegt: Knöpfe, zu denen meiner Mutter Geschichten aus ihrer Kindheit einfallen. Und mir zu meiner. Die Zwölfelfchen schwelgen in Formen und Farben und alle sind glücklich.
 
 
Was will man mehr?

Sonntag, 24. März 2013

Hose 1: Die wilde Solana

Ich starte in diesem Frühjahr eine Versuchsreihe mit Hosenschnitten. Zuerst stürze ich mich auf die Hippiehose "Solana" von Farbenmix/Nancy Langdon. Ein Erlebnis wie die Achterbahn. Man legt sich in die Kurven, bis einem schwindlig wird, und weiß nicht genau, was einen am Ende der Serpentinen erwartet. Eine Hose. Hier der Beweis.

 
Hier sieht man den rasanten Schlag noch besser:
 
 
Und am Schönsten flattert es natürlich am ungestümen Kinderbein.
 
Pro: Maximaler Showeffekt. Passanten bleiben stehen und glotzen. Das Kind tanzt.

Contra: Die Hose ist sehr schmal; hier habe ich 122/128 genäht, und dem Frl. Ungestüm (120 cm Körperhöhe) sitzt sie gut, aber mit kaum Spielraum für später. Also dicker darfse net werden dieses Jahr. Da man durch die Form der Schnittteile aber weder an Breite noch Länge etwas ändern kann, ist eine Anpassung an Kinder jenseits der genormten Maße schwierig und wird leider in der Anleitung auch nicht beschrieben.

Samstag, 16. März 2013

Dieses Jahr 2013 ...

... hält wieder die eine oder andere Meldung von Frau Zwölfelf bereit. Viele Monate lang hatte sie sehr schlechte Laune und sehr trübe Gedanken und wenig zu Lachen. Schlechte Laune und trübe Gedanken hat man lieber offline. Deshalb war es hier still. Inzwischen wurden zuerst die Gedanken und dann das Leben neu geordnet. Schmerzhaft aber sehr richtig. Frau Zwölfelf hat sich berappelt und kennt sich selbst kaum wieder: mit Mut&Kraft, Lust&Laune, neuen Ideen&altem Tatendrang.

Willkommen zurück im Zwölfelfschen Kaspertheater, Ihr Lieben!

Sonntag, 20. Mai 2012

Hexhex

Eine Babyjeans in Gr. 86 habe ich in ein Röckchen in Gr. 110 verwandelt. Das nennt man mitwachsend!



...mit Herz aus den Vorräten vom letzten Häkelanfall


und passend zu einem Erdbeershirt nach Angie von CZM


....ein schneller Schnappschuss von hinten wurde gestattet...


...und schon ist der kleine Irrwisch wieder aus dem Bild gehüpft


Genießt den schönen Sonntag!

Eine gutgelaunte Frau Zwölfelf

Samstag, 12. Mai 2012

"Nein" zum Fotostress!

Immer wieder lese ich Entschuldigungen. Begabte Schöpferinnen von Wunderwerken der Nähkunst machen sich ganz klein und bedauern die ach soooo schlechte Qualität ihrer Fotos. Ich schaue dann auf meine Fotos denke, dass diese wahrscheinlich die grottigsten von allen sind. Na und? Das soll so. Das kann und will ich nicht anders. Ihr werdet hier nie etwas anderes zu sehen bekommen als eilige Schnappschüsse von Kleidern, die nebenbei unter Zeitdruck entstanden sind. Und ihr werdet hier ganz bestimmt niemals nicht und nirgendwann irgendeine Art von Entschuldigung lesen.

Denn das Nähen ist mein Hobby. Eins von vielen. Ich möchte daran erinnern: ein Hobby ist ein Hobby! Nebenbei betrieben, zur Erbauung und Entspannung, aus Spaß, einfach so. Für ein Hobby gelten nicht die Maßstäbe einer professionellen Tätigkeit. Eine Hobbyschneiderin muss nicht so tun, als habe sie einen Meisterbrief als Maßschneiderin und dazu ein Fotografie-Studium an einer Kunstakademie absolviert.

Mich z.B. interessieren viele Dinge. Das Fotografieren gehört nicht dazu. Wenn ich gerne fotografieren würde, wäre ich ja Fotografin. Bin ich  aber nicht. Ich habe einen anderen Beruf, aus gutem Grund. Für das Fotografieren möchte ich keine Zeit aufwenden. Denn diese Zeit geht ab von anderen Dingen, die mir wichtiger sind: mich mit meinen Kindern beschäftigen, Zeitung lesen, Nähen, Musik machen, arbeiten.

Deshalb, liebe Kolleginnen: entspannt Euch! Kein Leistungsdruck bitte! Bitte hört auf, Euch beieinander dafür zu entschuldigen, dass ihr neben Berufstätigkeit, Kinderaufzucht, Haushalt, Ehrenamt und Nähwerkstatt nicht auch noch ein professionelles Fotostudio betreiben könnt! Es reicht, wenn man erkennt, was man erkennen soll. Und ist mir persönlich auch viel sympathischer.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!