Sonntag, 5. Februar 2012

Leberkuchen und Puppentatar

Heute morgen führte mein Weg an einer öffentlichen Weihnachtsbaum-Deponie vorbei. Immer noch gibt es täglich Neuzugänge. Ich beobachte das mit Sympathie. Wir sind also nicht allein. Wir sind viele! Mehr Leute als gedacht trennen sich, gleich mir, offenbar nur schweren Herzens von den Relikten der lieben Weihnachtzeit. Feiern auch nach Dreikönige einfach noch ein paar Wochen lang weiter! Singen womöglich Weihnachtslieder, mampfen Zimtsterne und können auch vom Glühwein nicht lassen! Unerhört! Subversiv! Existieren dazu eigentlich empirische Studien? In England, das las ich kürzlich, gib es einen Mann, der jeden einzelnen Tag des Jahres Weihnachten begeht. Mit Baum, Geschenken und Truthahn. Seit zwanzig Jahren oder so. Ein Gräuel für Brauchtums-Dogmatiker, die jeden Lebkuchen vor dem 1. Advent für Kulturverfall halten.

Dieses Beispiel zivilen Ungehorsams ermutigt mich zu Zweierlei. Erstens zu dem Bekenntnis, dass der Zwölfelfsche Baum seinen Weg aus dem Haus noch nicht gefunden hat. Dass hier noch und wieder und überhaupt immer und zu jeder Jahreszeit Lebkuchen verzehrt werden (ein in Nürnberg übrigens nicht ganz so seltenes Phänomen). Dass unser Wandbehang mit dem großen Weihnachtsengel ganzjährig hängt. Dass "Stille Nacht" und Dornwald-Maria zum täglichen Einschlafritual gehören.

Zweitens ergreife ich die Gelegenheit, einen weihnachtlichen Blogbeitrag nachzureichen, den ich schlicht vergessen hatte. Heute passt wenigstens das Wetter: Schnee und Frost. Voilà:


Wehnachten bei Zwölfelfs

In unserer gesamtdeutschen Familie heißt Weinachten immer: es müssen allerhand liebgewonnene Weihnachtsbräuche unter einen Hut bzw. Tannenbaum gebracht werden: aus Ost und West, aus Nord und Süd. Irgendwo findet auch alles seinen Platz: Herrnhuter Stern, Sievers-Hahn-Krippe und erzgebirgischer Schwibb-Bogen, Schmidts Elisen, LPG-Kuchen und Russischer Heringssalat, Christkindl, Weihnachtsmann und Pelzermärtel. Ganz schön viel. Ganz schön. Ganz viel. 

"Leberkuchen"-Männer und Frauen von der Hamburger Omi




weihnachtlicher Haarschmuck aus der Stickmaschine




Instrument hergerichtet und "O du Fröhliche" geübt




Prinzessinnen gekrönt





das beste Spielzeug kostet nichts




Und das schönste Geschenk aller Zeiten für M-I-C-H.
Gebaut von Kindern und Papa unter Mithilfe von Hund und Hildegard.
Endlich habe ich mein ersehntes Puppenthater...teter...tatar... Na, wie denn jetzt!!!
Schon eingeweiht mit Tritratrullala. Davon später.


Weihnachten ist herrlich.
Und so könnte von mir aus jeder einzelne Tag des Lebens sein.

Kommentare:

  1. Hallo Du,

    na wie lustig, ich schenke meiner Großen auch zu ihrem 4. Geb. ein Kaspertheater, selbstgemacht aus Holz. Bin schon gespannt wann ich mal ungestört dazukomme das zu machen. Aber es wird so ähnlich wie deines. Hast Du die Anleitung aus dem Kasperlbuch?
    Gruss Saskia

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    1. Hallo Saskia, die Anleitung ist aus Ursula Lietz "die schönsten Kasperlestücke" (Bassermann); die kann aber nur als grober Anhalt dienen und ist nicht perfekt. Wir mussten noch die Querstreben reinmachen, weil es sich immer in sich verschoben hat. Es ist von der Größe her für erwachsene Spieler gedacht, Kinder müssen auf einem Stuhl oder Tisch stehen. Nicht gelöst haben wir das Problem der Stabilität; es fällt halt immer nach vorn um, wenn die Kinder zugange sind, dh. einer von uns muss davor sitzen und hält es fest. Wir denken inzwischen über eine Art "Aufhängung" an der Decke nach...Vielleicht findet Ihr ja eine Lösung, ich wäre dankbar für jeden Tipp!! Lg, Nadja

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